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Mischlichtsituationen mit Lee-Filter meistern

Die meisten Fotografen kennen das Problem mit dem Weißabgleich. Gerade bei Mischlichtsituationen macht sich dieses Problem stark bemerkbar. Kneipenfotografen wissen, was ich meine. Der Blitz zerstört die ganze Lichtstimmung. Die Gesichter bekommen einen massiven Blaustich, der Hintergrund wird von gelben Lichttönen nahezu erschlagen - die Bilder wirken grell und unausgewogen. Genau diesem Problem werde ich mich hier widmen.

Erst mal ein paar Zeilen zum Weißabgleich. Das Bild wird im Sensor aus den RGB-Farben (Rot, Grün, Blau) zusammengesetzt. Dazu ist vor dem Sensor das sogenannte Bayerpattern, das die Helligkeitswerte des Lichtes nach den drei Farben "sortiert". Jedes Licht hat ein gewisses Lichtspektrum. Ist bei einem Licht der Blauanteil höher (z.B. Blitzlicht), bekommt das Bild einen Blaustich. Ist der Rotanteil größer (z.B. Glühlampenlicht), bekommt das Bild einen Gelbstich. Um das zu verhindern macht man in der Kamera einen Weißagbleich. Damit meint man den Offsetabgleich der einzelnen "Sensorfarben". Damit wird der Verstärkungsfaktor der einzelnen Farbkanäle genau so eingestellt, dass eine weiße Fläche auch weiß ist, also in der Bilddatei alle Farben auf die gleiche "Menge" der jeweiligen Lichtfarbe abgestimmt wird.

Ein Beispiel: Bei einer Glühlampe (viel rotes Lichtspektrum) als Lichtquelle muss der Blauanteil verstärkt werden, damit die Fläche auch wirklich weiß wird. Hat man als Lichtquelle einen Blitz (viel blaues Lichtspektrum), wird der Gelbanteil verstärkt.

Hat man also nur eine einzige Lichtquelle mit einer festen Farbtemperatur, kann man ohne Probleme einen sauberen Weißabgleich machen um ausgeglichene Fotos zu machen. Ein weißer Gegenstand wird überall im Foto als "weiß" wahrgenommen.

Die Farbtemperatur wird in "Kelvin" gemessen. Je höher dieser Wert, desto "blauer" das  Licht, je niedriger diese Zahl, desto "gelber" das Licht.

Jetzt machen wir das Spiel mit zwei verschiedenen Lichtquellen. Wir nehmen dazu einen Blitz und eine Glühlampe. Der Blitz erzeugt bläuliches Licht, die Glühlampe gelbliches Licht. Wir machen den Weißagbleich erst auf die Glühlampe. Das würde jetzt heißen, dass alle, vom Blitz beleuchteten Gegenstände einen starken Blaustich bekommen. Machen wir den Weißabgleich auf den Blitz, bekommen alle von den Glühlampen angestrahlten Gegenstände einen starken Gelbstich. Und jetzt haben wir das Problem: Wir mischen verschiedenfarbiges Licht.

Hier hab ich mal so ein Beispiel von einer typischen Mischlichtsituation. Der Hintergrund wird von einer Halogenleuchte beleuchtet (Farbtemperatur ca. 3 300 Kelvin --> hoher Gelbanteil), die Puppe wird von einem Blitz angeleuchtet (Farbtemperatur ca. 5 700 Kelvin --> hoher Blauanteil). Der Weißabgleich (Offset) in der Kamera ist auf 3 300 Kelvin eingestellt:

Sehr deutlich ist zu sehen, dass der Hintergrund zwar in etwa weiß ist, das Gesicht der Puppe aber einen starken Blaustich bekommen hat. Das Bild wirkt grell und die Farben sehr unausgewogen. Sehr starke Unterschiede sieht man auch im Übergang zu den Schatten.Ein vernünftiger Weißabgleich ist unmöglich, weil wir in diesem Bild zwei verschiedene Lichtquellen haben, man den Offset aber nur auf eine Lichtquelle einstellen kann.

Ein einfacher Trick diesem Problem entgegenzuwirken wäre also nur Licht in einer Farbtemperatur einzusetzen. Jetzt will natürlich niemand mit einem Halogenscheinwerfer in die Kneipe gehen um die Gesichter aufzuhellen. Also müssen wir die Farbtemperatur des Blitzlichtes auf die gleiche Farbtemperatur der Glühlampe ändern. Am Ende sollen beide Lichtquellen die gleiche Farbtemperatur haben. Wir müssen also vom blauen Blitzlicht einiges vom blauen Farbanteil herausfiltern. Am einfachsten geht das mit einem Filter, der blaues Licht herausfiltert.

Wir behelfen uns also mit Farbfiltern. Relativ günstig zu bekommen sind Testheftchen der Fa. Lee. In diesen Testheftchen sind sehr viele verschiedene Farbfilter für die Bühnenbeleuchtung. Die Größe der einzelnen Filterfolien ist mit 37x70 mm zwar relativ klein, reicht aber für die meisten Kompaktblitze vollkommen aus. Bezugsquelle: z.B. Musikhaus Thomann

Hier ist dieser Farbfolien-Katalog zu sehen:

Aus dieser Fülle von Filterfolien ist jetzt für jede Farbtemperatur die richtige herauszusuchen. Und das erkläre ich hier anhand eines Beispiels:

- Lichtquelle im Raum: ein Halogenlicht mit ca. 3 300 Kelvin

- die zweite Lichtquelle ein Canon-Speedlite mit ca. 5 700 Kelvin

Das Licht des Canon-Speedlite soll also von 5 700 Kelvin zu 3 300 Kelvin "gefiltert" werden.

 

Zuerst müssen die "Kelvin-Werte" in "Mired-Werte" umgerechnet werden. (Mired ist der millionenfache Kehrwert des Kelvin-Wertes).

3 400 Kelvin --> Mired:

1 000 000 / 3 300 Kelvin = 303 Mired

 

5 700 Kelvin --> Mired:

1 000 000 / 5 700 Kelvin = 175 Mired

 

Die Differenz beträgt also 303 Mired - 175 Mired = 128 Mired.

Zu den 175 Mired des Blitzlichts müssen also 128 Mired dazugezählt werden, damit wird ein Halogenlicht von 303 Mired bekommen. Das heißt, wir benötigen einen Filter mit einem Mired-Shift von +128.

Diesen Filter müssen wir jetzt im Lee-Katalog suchen. Zuerst mal wissen wir, dass wir einen gelblichen Filter benötigen (weil wir ja Blauanteil aus dem Licht herausfiltern möchten). Also suchen wir bei den gelben Filterfolien nach einem passenden Filter. Hier sind mal von zwei Filtern die "Datenblätter" zu sehen (ganz unten steht der Mired-Shift-Faktor):

 

Da es keinen Filter mit einem Mired-Shift von +128 gibt, nehmen wir den nächstgelegensten Wert und werden bei der Lee-Nummer 204 fündig (Mired-Shift: +159).

 

Jetzt können wir zurückrechnen, in welchen Farbtemperatur das Blitzlicht genau konvertiert wird:

175 Mired + 159 Mired = 334 Mired

 

334 Mired --> Kelvin:

1 000 000 / 334 Mired = 2 994 Kelvin

 

Unser Blitzlicht wird also von 5 700 Kelvin zu 2 994 Kelvin konvertiert. Diesen Filter (Lee Nr. 204) montieren wir vollflächig vor die Scheibe des Blitzlichts. Jetzt machen wir genau das gleiche Bild von der Puppe nochmal. Die Kamera ist wie vorher auch auf 3 300 Kelvin eingestellt:

Es ist eindeutig das bessere Bild. Die Lichtfarbe ist sehr viel ausgeglichener. Wir haben durch den Filter die Mischlichtsituation entschärft, indem wir die Farbtemperatur des Blitzlichtes an die Farbtemperatur der Zimmerbeleuchtung angepasst haben.

 

Hier nochmals beide Bilder direkt nebeneinander. Links mit Mischlichtsituation, rechts mit Lee-Filter:

 

Noch ein kleiner Tipp: Es ist auch möglich mit einem Farbfilter bewusst Mischlichtsituationen zu erzeugen. Angenommen wir möchten die "warme" Ausstrahlung einer Person vor einer "kalten" Schneelandschaft verstärken. Dann stellen wir in der Kamera einen warmen Weißabgleich ein (z.B. 3 000 Kelvin) und Blitzen die Person mit einem Lee 204 - Filter an. Die Person wird dann mit diesem warmen Licht angeblitzt, der Hintergrund wird vom Tageslicht (ca. 5 700 Kelvin) beleuchtet. Damit bekommt der Hintergrund einen Blaustich, der Vordergrund (Gesicht) wird "normal" abgebildet.

 

Wie man den Lee-Filter am Blitz befestigen kann, ist in meiner "Bastelecke" unter "Lee-Filter-Halterung" nachzulesen.

Im Downloadbereich gibts unter "rund ums Fotografieren" noch eine Lee-Filtertabelle zum Herunterladen. Diese kann man sich ausdrucken und einlaminieren, es ist sehr hilfreich diese immer in der Fototasche bei den Lee-Filtern dabeizuhaben.